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Artikel "E 10"

Wohl noch nie hat ein Kraftstoff für mehr Aufsehen gesorgt als das berühmt-berüchtigte E10, das Anfang 2011 an deutschen Tankstellen eingeführt wurde. In endlosen Debatten wurde um die Ökologie und Ökonomie, um Verträglichkeit und Ausbeute, um Verbraucherschutz und politische Vorgaben gestritten. Dabei ist der Grundgedanke von E10 doch eigentlich über jeden Zweifel erhaben.

Den Anfang nahm die außerordentliche Veränderung der deutschen Zapfsäulenlandschaft in den Gremien der Europäischen Union. Das EU-Parlament und der Rat beschlossen 2003 in der sogenannten Biokraftstoff-Richtlinie die Senkung des CO2-Ausstoßes bis 2020 um 20 Prozent. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, wurden die Mitgliedsstaaten angehalten, die Anbieter von Ottokraftstoffen zu verpflichten, Benzin mit einem gewissen Ethanolgehalt anzubieten. Zunächst ging es dabei um einen Höchstwert von fünf Volumenprozent, der jedoch später auf zehn Prozent angehoben wurde. Die Bundesregierung setzte die EU-Vorlage im Bundes-Immissionsschutzgesetz um.

Dieses verpflichtete die Tankstellenbetreiber, Bio-Anteile in ihre Kraftstoffe zuzufügen und gestattete darüber hinaus das Anbieten von Kraftstoff mit bis zu 10% Bio-Ethanol, solange gleichzeitig auch ein äquivalenter Kraftstoff mit lediglich 5% Ethanol an derselben Tankstelle zu bekommen war.

In Deutschland stieß die Einführung von E10 sofort auf heftige Kritik. Zunächst wurde bemängelt, dass der niedrigere Energiegehalt von Ethanol gegenüber Benzin zu einem höheren Verbrauch führen würde, der nur dann kompensiert werden könne, wenn E10 deutlich günstiger wäre als das herkömmliche Benzin. Dazu aber schienen die Mineralölkonzerne nicht ohne weiteres bereit. Darüber hinaus schienen einige wenige Fahrzeugmodelle das neue Gemisch nicht zu vertragen. Aufgeputscht von Medien und Verbraucherschützern stieg die Verunsicherung der Autofahrer in Deutschland und E10 wurde von vielen abgelehnt. Das wiederum nutzten die Mineralölkonzerne für sich aus, indem sie neben dem unbeliebten E10 nur noch das sehr teure Super Plus anboten, obwohl das Bundes-Immissionsschutzgesetz ausdrücklich verlangte, neben E10 auch reguläres Super anzubieten. Der ADAC erstattete daraufhin Anzeige gegen fünf führende Konzerne und gleichzeitig riefen erboste Bürger über Internet-Plattformen zum Boykott des Treibstoffes auf. Der Marktführer Aral reagierte darauf mit der sofortigen Rückumstellung und bietet nun neben E10 wieder Super-Benzin mit 5% Ethanol an.

Trotz des massiven Protests gegen E10 ist die Idee einer Beimischung von Ethanol zum Benzin ein richtiger und vor allem notwendiger Schritt, der jedoch mit Rücksicht auf die angespannte wirtschaftliche Lage mit Vorsicht zu erfolgen hat. Als Bio-Ethanol gilt laut bundesdeutscher Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung nur solcher Kraftstoff, der in der gesamten Produktions- und Lieferkette mindestens 35% weniger CO2 ausstößt als vergleichbare fossile Brennstoffe. Zugleich könne durch den heimischen Anbau von Pflanzen zur Ethanol-Gewinnung die Abhängigkeit von Öllieferungen aus Regionen mit politisch instabilen Zuständen gemindert werden. Es gibt jedoch auch kritische Stimmen an diesem Prinzip. Naturschützer befürchten, dass durch massive Rodungen und die Freimachung von Anbauflächen das ökologische Gleichgewicht in Schieflage geraten könnte. Zudem sei die Verwendung von Nutzpflanzen zur Kraftstoffgewinnung statt zur Nahrungsmittelerzeugung moralisch fragwürdig und letztlich auch aus Verbrauchersicht mit Vorsicht zu genießen, da steigende Nahrungsmittelpreise die Folge sein könnten. Dennoch bleibt angesichts der Endlichkeit fossiler Rohstoffe und der weiterhin fortschreitenden Modernisierung die Verwendung von Ethanol als Treibstoff eine absolut legitime und notwendige Alternative.